Emelie – 3. Kapitel: Haven (Teil 2)

Ich sollte noch feststellen dürfen, dass Emelie eine Meisterin darin war einem Menschen mit derben Mitteln zurück auf den Boden der Tatsachen zu holen. Sie hatte damals gewusst, dass ich mich aus einem völlig lächerlichen, irrationalen Grund für etwas besonderes hielt. Sie hatte das in der Kneipe hingenommen, ja sogar gestärkt, weil es sie ihrem Ziel – einer Unterkunft – näher brachte. Doch nun war ich ihr Mitbewohner und als solcher durfte ich ihrer Ansicht nach nicht mehr in dieser Illusion bleiben. Denn dann würde ich sicher Fehler machen, draußen herum spazieren und damit prahlen, dass ich eine hübsche Frau abgestaubt hätte oder ähnliches. Also schmetterte sie meinen Schädel gegen die nächste Wand und damit jede noch so kühne Hoffnung aus meinem Hirn. Das war hart, aber es funktionierte besser als langatmige Erklärungen.

Ich gurgelte etwas Unverständliches, was sie wohl als Zeichen dafür sah, dass ich ihren Standpunkt verstanden hatte. Sie ließ von mir ab, ich sank an der Wand zusammen mit dem Rücken daran gelehnt. Von einer fiesen Schürfwunde an meiner Stirn lief mir etwas Blut ins Gesicht. Aus großen Augen blickte ich zu ihr empor. Ich wusste nicht ob ich wütend, traurig, gekränkt oder einfach nur geschockt sein sollte. Irgendwie rang ich mir ein schiefes Lächeln ab, zu verwirrend und schnell war das alles für mich abgelaufen. Dann antwortete ich mit kratziger Stimme:
„Ich würde gerne hier weiter wohnen.“

Ein Hauch von einem Lächeln, nicht selbstgefällig sondern sehr sympathisch, blitzte auf ihrem Gesicht auf und gleich darauf streckte sie mir ihre rechte Hand hin und half mir auf.

Ich war noch etwas wackelig auf den Beinen, hatte mich aber wieder soweit erholt, dass ich stehen und gehen konnte. Die Hausführung ging schnell vonstatten: Wohnzimmer, Küche, Bad, Lagerraum. Zum Schluss führte ich sie noch in das Schlafzimmer. Ich konnte sehen, wie sehnsüchtig ihre Augen auf dem Bett mit der etwas durchgelegenen Matratze ruhten und ich schlug ihr vor, dass sie in meinem Bett schlafen dürfte und ich mir ein provisorisches Lager im Wohnzimmer zurecht machen könnte. Sie sah mich aus großen Augen lange an. Dann meinte sie schließlich:
„Dir ist bewusst, dass ich vor ungefähr zehn Minuten deinen Kopf gegen eine Wand gedonnert habe oder? Wie kannst du jetzt schon wieder so nett sein?“

Nun war ich derjenige, der sie mit großen Augen anstarrte. Ich muss gestehen, dass ich darauf keine Antwort hatte. Ich denke, ich bin einfach ein furchtbar gutmütiger Mensch, ziemlich unpassend und vielleicht sogar gefährlich für diese Zeit, aber es ist schwierig solche grundlegenden Charakterzüge zu ändern. Schließlich senkte ich etwas beschämt meinen Kopf, weil mir tatsächlich keine gute Antwort einfiel und ich murmelte nur:
„Willst du das Bett jetzt oder nicht?“

Sie grinste mich breit an und antwortete sehr zufrieden:
„Sehr gern! Vielen lieben Dank, so süß von dir.“

Ich hatte das Gefühl, als wäre ich wieder auf einen ihrer Tricks hereingefallen und ich glaube, dass es wirklich so war. Ich glaube sie hatte mich ab dem ersten Moment komplett durchschaut. Jedes kleine Stück meiner Persönlichkeit hatte sie bereits gekannt als sie in Eds Kneipe gekommen war. Sie hingegen ist mir noch immer ein Rätsel, dass ich eigentlich aufgegeben habe zu lösen. Doch ab und an arbeite ich heimlich noch daran, versuche sie zu verstehen, versuche zu erkennen worüber sie nachdenkt und was ihr Sorgen bereitet, jedoch bleibe ich dabei für gewöhnlich erfolglos.

Ein schönes Jahr 2012! Der letzte Teil ist schon wieder drei Wochen her. Das tut mir Leid, doch es gibt noch anderes: Meine Klausurenlernzeit hat wieder angefangen, mit Freunden ausgehen und zocken will ich trotzdem noch ab und an, ihr kennt das ja vermutlich selber. Aber ich werde zusehen, trotzdem alle paar Wochen einen neuen Teil fertig zu schreiben. Übrigens gibt es auch zur englischen Version von Emelie Neuigkeiten, denn Andrea hat sich wieder an die Arbeit gemacht und ist – soweit ich es richtig mitbekommen habe –  auch fleißig am Übersetzen, das heißt, wenn ihr lieber in Englisch lest, gibts da auch bald neuen Stoff! Ich hoffe euch gefällt auch dieser Teil. Ich selbst bin glaube ich ziemlich zu frieden. Ja, es ist mir wichtig, dass Emelie etwas unberechenbar bleibt. Sagt mir doch wie es euch gefällt, natürlich wie immer auch gerne in den Kommentaren! Ich freu mich drüber.

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Öhm ... ich wurde gezwungen hier zu sein ? :-O Zeige alle Beiträge von WobworC

Eine Antwort zu „Emelie – 3. Kapitel: Haven (Teil 2)“

  • Jesko

    Ahoi, ich bin mal so frei und poste mal was im Blog. Sieht schnieke aus! Ich bin auch seit einige Zeit mit WordPress beschaeftigt steige aber noch nicht durch alle Funktionen durch. Dein Blog ist mir da immer eine tolle Motivation. Weiter so!

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