Emelie: 3. Kapitel – Haven (Teil 1)

Von Eds Kneipe zu meinem Haus waren es ungefähr fünf Minuten Fußmarsch. Emelie nutzte diese Zeit um mich über Haven auszufragen. Wieviele Leute lebten in Haven? Wen sollte man kennen? Wer war gefährlich und wer hilfsbereit? Wo gibt es Essen und wo Trinken? Und so weiter und so fort. Sie schaffte es tatsächlich innerhalb von fünf Minuten alle wichtigen Fragen bezüglich Haven zu stellen. Ich antwortete immer recht knapp, weil ich das Gefühl hatte, dass sie jede längere Ausführung als störend empfunden hätte.

Emelie bedankte sich höflich aber kühl als wir gerade in die dunkle Seitengasse einbogen, in der die Ruine stand, die ich mein zuhause nannte. Ich hatte mir, getrieben von der selben Paranoia, die mich auch für gewöhnlich jede Nacht dazu brachte heimlich und allein nach Hause zu schleichen, ein abgelegenes Heim gesucht.

Vor dem Haus lag ein großer Hof, dessen Pflastersteine von abartig verkrüppelten, über kniehohen Gräsern beiseite geschoben und überwuchert worden waren. So machte der gesamte Hof einen stark verwilderten Eindruck, den das Haus – zumindest von außen – hervorragend ergänzte, war es doch in die grausame Umarmung einer wie auch immer mutierten Kletterpflanze geraten.

Meine zukünftige Mitbewohnerin sah mich abschätzig an, als wir über den Hof schlenderten und fragte schließlich:

“Das Teil ist deine Wohnung?”

Dabei war ihr Tonfall so abwertend, dass mir schier das Herz brach, sich gleichzeitig aber der Trotz in mir regte, denn insgeheim war ich stolz auf mein Haus. Als ich die Tür öffnete erwiderte ich also:

“Es ist nicht toll von außen, aber innen ist es schöner! Und wenn es dir nicht passt, kannst du ja einen anderen aus dem Dorf fragen ob er dich aufnimmt.”

Beleidigt drehte ich mich weg, und betrat das Haus, fest in der Überzeugung sie draußen vor der Tür stehen zu lassen, sollte sie sich nicht entschuldigen. Ich kam anderthalb Schritte weit, dann spürte ich Emelies starke und doch zierliche Hände in meinem Kreuz. Ich hatte keine ihrer Bewegungen gehört und nicht im entferntesten mit einem Übergriff gerechnet. Heute weiß ich, dass selbst wenn sie ihren Angriff vorher angekündigt hätte ich zu dieser Zeit nicht den Hauch einer Chance gehabt hätte.

Sie knallte mich hart gegen die Wand, so dass mein Schädel dagegen krachte. Kurz wurde mir schwarz vor Augen. Gleich darauf spürte ich Emelies Unterarm in meinem Nacken, der meinen Hals und meinen Kopf fest gegen die Wand drückte und ich nur noch schwer atmen konnte. Ihre andere Hand war zur Faust geballt und drückte unsanft gegen meinen Brustkasten, jederzeit bereit mir mit einem derben Schlag die Rippen zu brechen. Mit der selben schneidenden, feindseligen Kälte in der Stimme mit der sie auch zuvor ihre Drinks in Eds Kneipe bestellt hatte sagt sie:

“Pass auf, Junge, ich hab dich um Unterschlupf gebeten, weil niemand anders in diesem Loch war. Du bist genau so ein Nichts für mich, wie jeder andere hier auch. Wenn du meinst Diva spielen zu müssen, nachdem du mir zugesagt hast, wäre das für mich persönlich nicht bedauerlich, denn ich werde hier die nächsten Tage verbringen. Die Frage ist nur, ob du hier weiterhin wohnen wirst! Wenn du das willst, solltest du mich jetzt kurz herumführen und mir dann sagen wo ich schlafen kann. Wenn nicht, werde ich mich denke ich auch alleine zu Recht finden.”

 

Hurra, gerade einmal fünf Tage nach Abschluss des zweiten Kapitels gehts auch gleich mit dem dritten weiter (lobt mich!). Ich bin mir mit diesem Kapitel noch nicht zu einhundert Prozent sicher, was manche Formulierungen angeht, aber ich war einfach gerade viel scharf darauf ein neues Stück zu veröffentlichen, dass ich das jetzt einfach reinschreiben musste. Ich freue mich schon auf das Weiterschreiben und hab auch schon viele Ideen dafür, wie es jetzt erstmal weitergehen wird. Ich hoffe euch gefällt dieser Teil und wünsche euch viel Spaß damit. Wie gewohnt freue ich mich sehr über jede Art von sinnvollem Feedback, gerne auch in den Kommentaren hier.

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